Testbericht: Auf Pirsch mit dem Hikmicro Habrok HH35L
Die Pirsch beginnt an einem kühlen Spätsommerabend. Die Sonne steht tief, der Wald liegt schon halb im Schatten, und ein leichter Dunst zieht über die Wiesen. Genau für solche Momente habe ich das HikMicro Habrok HH35L eingepackt – ein Fernglas, das auf den ersten Blick wie ein klassisches Jagdglas wirkt, in Wahrheit aber ein modernes Multispektrum-Wärmebildsystem ist.
Schon beim ersten Griff fällt auf, wie angenehm es in der Hand liegt. Die Gummierung gibt Halt, auch wenn die Finger leicht feucht sind, und die Balance ist so gewählt, dass sie nicht kopflastig wird. Das Gewicht von knapp 800 Gramm macht sich bei längeren Pirschgängen kaum bemerkbar – man kann es gut um den Hals tragen oder im Rucksack verstauen, ohne dass es stört.
Der erste Blick durchs Glas
Ich setze das Habrok vor die Augen, noch bei Tageslicht, und sehe sofort: Das optische Modul liefert gestochen scharfe, farbintensive Bilder. Die Konturen der Bäume, das Spiel von Licht und Schatten – alles wirkt glasklar. Als die Sonne langsam untergeht, schalte ich in den Nachtmodus. Der Wechsel erfolgt blitzschnell, und der Sensor passt sich sofort an. Plötzlich wirkt der Wald wie eine schwarz-weiße Bühne, auf der sich jedes Detail abzeichnet.
Doch der wahre Zauber entfaltet sich, als ich ins Wärmebild wechsle. Sofort springen mir die hellen Silhouetten ins Auge: Rehwild, das sich im hohen Gras niedergetan hat, ein Hase, der am Waldrand äst und weiter hinten, fast schon im Dunst verborgen, die warme Spur eines Fuchses. Selbst auf größerer Distanz lassen sich Wildarten klar unterscheiden – nicht nur als helle Punkte, sondern mit erkennbaren Körperformen.
Auf der Pirsch bei Nacht
Als es endgültig dunkel wird, kommt der integrierte IR-Strahler ins Spiel. Ich schalte ihn ein, wähle einen engeren Abstrahlwinkel und kann nun Wild auch auf über 300 Metern klar erkennen, ohne dass es mich bemerkt. In Kombination mit dem Laser-Entfernungsmesser ist das ein unschätzbarer Vorteil – besonders, wenn man Entfernungen bei Dunkelheit oft unterschätzt.
Ein Detail, das ich besonders schätze: Der Habrok geht automatisch in den Standby-Modus, wenn man ihn vom Gesicht nimmt, und aktiviert sich wieder, sobald man ihn ansetzt. Das spart nicht nur Akku, sondern verhindert auch unnötige Helligkeit in der Dunkelheit. Apropos Akku – für meine abendlichen Revierrunden reicht eine Ladung meist aus, aber bei langen Nächten habe ich immer ein Ersatzpaar dabei.
Jagdliche Praxis und Eindruck
In der jagdlichen Praxis fühlt sich das Habrok HH35L wie eine Verlängerung der eigenen Sinne an. Es ist nicht nur ein Fernglas, sondern ein All-in-one-Werkzeug: Wärmebildkamera, Nachtglas, Entfernungsmesser und Beobachtungsgerät in einem. Die Bedienung ist intuitiv – selbst mit Handschuhen lassen sich die Knöpfe leicht ertasten, und die Menüführung ist klar strukturiert.
Was mir besonders wichtig ist, ist die Fähigkeit des Geräts, auch kleinste Temperaturunterschiede sichtbar zu machen. An einem kühlen Morgen konnte ich sogar die Wärmeabdrücke von frischen Fährten im Gras erkennen – ein Detail, das für die Nachsuche oder das Ansprechen von Wild entscheidend sein kann.
Natürlich gibt es auch Kleinigkeiten, die verbessert werden könnten. Der Fokusring läuft manchmal etwas ungleichmäßig, und das Akkufach könnte robuster sein. Aber das sind Kleinigkeiten im Vergleich zu dem, was dieses Gerät in der Praxis leistet.
Fazit aus der persönlichen Erfahrung
Der HikMicro Habrok HH35L ist für mich zu einem festen Begleiter auf der Pirsch geworden. Er ersetzt gleich mehrere Geräte, liefert gestochen scharfe Bilder bei Tag und Nacht, und das Wärmebild ist so klar, dass man oft mehr sieht, als man erwartet. Ob für den Ansitz, den Pirsch oder die Nachsuche – er erweitert die Wahrnehmung auf eine Weise, die klassische Optiken nicht bieten können.
Es ist ein Gerät, das nicht nur Technik, sondern auch jagdliches Gespür unterstützt. Wer einmal in einer dunklen, windstillen Nacht damit einen Keiler schon auf 500 Meter im Wärmebild aufspüren konnte, wird verstehen, warum ich ihn nicht mehr missen möchte.