Die Pirsch bei Nacht ist die anspruchsvollste Form der Jagd mit Wärmebildtechnik. Du bist leise unterwegs, musst Wild frühzeitig erkennen, sicher sprechen und waidgerecht handeln – alles bei Dunkelheit. In diesem Ratgeber erklären wir, welche Wärmebildgeräte sich für den Nachtpirsch eignen, wie du sie effektiv einsetzt und worauf du aus wahrer Sicht achten musst.
Was der Nachtpirsch von der Technik verlangte
Die Pirsch unterscheidet sich grundlegend vom Ansitz. Auf dem Hochsitz hast du Zeit, das Gelände in Ruhe abzuscannen und den Schuss vorzubereiten. Auf der Pirsch bist du in Bewegung, die Distanzen ändern sich ständig, und Wild kann ploetzlich vor dir stehen. Das stellt besondere Anforderungen an die Ausrüstung:
- Kompakt und leicht: Du trägst das Geraet stundenlang. Jedes Gramm zählt.
- Schnell einsatzbereit: Das Geraet muss sofort am Auge sein, wenn du Wild witterst.
- Leise: Klappernde Teile, piepende Einschalttöne oder laute Tasten sind auf der Pirsch-Tabu.
- Gute Ergonomie: Einhandbedienung ist Pflicht. Du brauchst die andere Hand für die Waffe oder zur Stabilisierung.
Welches Handgerät für den Nachtpirsch?
Kompakte Monokulare: Die erste Wahl
Für die Pirsch ist ein kompaktes Monokular die beste Lösung. Es passt in die Jackentasche, wiegt wenig und ist mit einer Hand bedienbar. Du nutzt es, um das Gelände vor dir abzuscannen, Wild zu lokalisieren und anzusprechen, bevor du den nächsten Schritt machst.
Empfohlene Modelle für die Pirsch:
- Nocpix LUMI P13 – Ultrakompakt, leicht, ideal als Pirschbegleiter für kurze bis mittlere Distanzen.
- PULSAR Axion XG35 Compact – Kompakte Bauweise mit 640er Sensor für höhere Detailschaerfe.
- HIKMICRO Falcon FQ35 2.0 – Guter Allrounder mit 384er Sensor und 35mm Objektiv.
- Nocpix LUMI L35 – 35mm-Optik für etwas mehr Reichweite bei kompakter Größe.
Einen ausführlichen Vergleich der Bauformen findest du in unserem Artikel Waermebildfernglas oder Monokular .
Wann ein Binokular auf der Pirsch Sinn macht
Auf der klassischen Ansitzpirsch – wo du langsam durchs Revier gehst, bleibst bleibst und lange beobachtest – kann leichtes eins Binokular sinnvoll sein. Das beiläufige Sehen erleichtert die Orientierung im Gelände erheblich. Das PULSAR Merger XT50 LRF bietet einen guten Kompromiss aus Leistung und Gewicht. Für die reine Drückjagdjagd oder schnelle Bewegung im Gelände ist ein Monokular allerdings praktischer.
Vorsatzgerät auf der Pirsch: Montiert oder in der Tasche?
Hier gehen die Meinungen auseinander. Manche Jaeger lassen das Vorsatzgerät die ganze Pirsch über montieren und schalten es bei Bedarf ein. Andere tragen es in der Tasche und montieren es erst, wenn sie Wild haben. Beide Ansaetze haben ihre Berechtigung:
Dauerhaft montiert: Schnellerer Zugriff, kein Gefummel im Dunkeln. Da für mehr Gewicht an der Waffe und das Risiko, das Geraet im dichten Gelände zu beschädigen ist.
In der Tasche: Waffe bleibt leicht und handlich. Dafür dauert die Montage im entscheidenden Moment länger. Mit einem guten Schnellspannadapter und etwas Uebung ist das aber in 10–15 Sekunden erledigt.
Für die Pirsch eignen sich kompakte Vorsatzgeräte mit schnellerer Montage. Der HIKMICRO Thunder TH35C 3.0 ist hier ein guter Kompromiss: Kompakt genug für die Tasche, leistungsstark genug für den Schuss. Für größere Distanzen waehrend der Pirsch am Feldrand bietet der HIKMICRO Thunder TQ35C 3.0 mit 640er Sensor mehr Reserven.
Waidgerechtigkeit bei der Nachtpirsch
Die Jagd bei Nacht ist in Deutschland an klare gesetzliche Regelungen gebunden. Wärmebildtechnik dient dem sicheren Ansprechen und der waidgerechten Schussabgabe – nicht dem wahllosen Schießen in die Dunkelheit. Beachte folgende Grundsätze:
Sicheres Ansprechen ist Pflicht
Bevor du den Schuss anbringst, musst du das Stück sicher angesprochen haben. Wärmebildtechnik hilft dabei enorm – ein heller Fleck allein genuegt aber nicht. Achte auf Körperform, Bewegungsmuster und Groessenverhaeltnis. Im Zweifel gilt: Finger weg vom Abzug.
Kugelfang prüfen
Auch mit Wärmebildtechnik müssen Sie den Kugelfang sicher beurteilen können. Im Wärmebild ist der Hintergrund oft schwer einzuschätzen – ein Weg, eine Straße oder ein Gebäude sind im Wärmebild nicht immer als solche erkennbar. Kenne dein Revier bei Tageslicht, bevor du bei Nacht pirscht.
Landesrechtliche Bestimmungen
Die Regelungen zur Nachtjagd und zum Einsatz von Waffenbildtechnik variieren je nach Bundesland. Informiere dich über die aktuell gültige Gesetzeslage in deinem Jagdbezirk. Die Nutzung von Wärmebildvorsatzgeräten ist in den meisten Bundesländern für bestimmte Wildarten und Zeiträume zulässig – die genauen Regelungen unterscheiden sich jedoch.
Praxistipps für den Nachtpirsch
Revier kennenlernen – bei Tageslicht
Geh deinen Pirschweg mehrfach bei Tageslicht ab. Präge dir Geländemerkmale, Wechsel, Lücken im Zaun und mögliche Gefahrenstellen ein. Bei Nacht navigierst du nach Erinnerung – das Wärmebild zeigt dir Temperaturunterschiede, aber keine Wege und Markierungen.
Wind beachten
Wärmebildtechnik macht dich nicht unsichtbar. Wild aeugt dich im Dunkeln nicht, aber es windet dich. Pirsche immer gegen den Wind oder im Seitenwind. Die beste Kamera nützt nichts, wenn die Rotte dich auf 200 Meter gewittert hat.
Langsam gehen, oft stehen bleiben
Machen Sie alle 30–50 Meter eine Pause und scannen Sie das Gelände mit dem Handgerät. Langsame, bedaechtige Bewegungen werden von wilden Spaeter wahrgenommen als schnelles Gehen. Die Pirsch bei Nacht ist ein Geduldsspiel – wer hetzt, jagt schlecht.
Geräuschen
Schalte alle unnötigen Töne an deine Geräte aus: Tastentöne, Einschaltmelodie, Signaltöne. Tragen Sie Kleidung leise ohne Reissverschluss, die klappern. Und: Schalte das Vorsatzgerät erst ein, wenn du es brauchst – manche Modelle geben beim Einschalten ein kurzes Gerät von sich.
Empfohlene Ausrüstungskombinationen
Leichte Pirsch im Wald: Nocpix LUMI P13 (Handgerät) + HIKMICRO Thunder TH35C 3.0 (Vorsatzgerät). Kompakt, leicht, für Distanzen bis 120 Meter.
Pirsch am Feldrand: PULSAR Axion XG35 Compact (Handgerät) + HIKMICRO Thunder TQ35C 3.0 (Vorsatzgerät). Mehr Reichweite für offenere Bereiche. Mehr zu den Unterschieden zwischen Feld und Wald in unserem Artikel Waermebildtechnik Feldjagd vs. Waldjagd .
Fazit
Die Pirsch bei Nacht ist die Disziplin, in der Wärmebildtechnik ihren größten Mehrwert entfaltet: Du erkennst Wild, das du mit blossem Auge nie gesehen hast, du sprichst sicher an, und du jagst waidgerecht auch bei völliger Dunkelheit. Entscheidend sind kompakte, leichte Geräte mit guter Ergonomie und ein Jäger, der sein Revier kennt, leise pirscht und nur schiesst, wenn er sicher angesprochen hat.
















































































