Ein Wärmebild-Vorsatzgerät einschießen gehört zu den ersten Schritten nach dem Kauf – und ist gleichzeitig einer der häufigsten Stolpersteine. Denn anders als ein normales Zielfernrohr wird das Vorsatzgerät vor die bestehende Optik gesetzt. Das bedeutet: Die Justierung muss zwei optische Systeme miteinander in Einklang bringen.
In diesem Praxisleitfaden erklären wir Schritt für Schritt, wie du dein Wärmebild-Vorsatzgerät korrekt einschießt, welche Fehler du vermeiden solltest und was du dafür brauchst.
Was bedeutet „Einschießen" beim Vorsatzgerät?
Beim Einschießen eines Wärmebild-Vorsatzgeräts geht es darum, das Wärmebild exakt mit dem Absehen deines Zielfernrohrs zur Deckung zu bringen. Im Idealfall schaust du durch dein Zielfernrohr und siehst das Wärmebild mit dem korrekten Treffpunkt – genau dort, wo dein Fadenkreuz sitzt.
Die meisten modernen Vorsatzgeräte bieten dafür eine elektronische Justierung über das Menü. Du verschiebst das Wärmebild digital, bis es mit deinem Absehen übereinstimmt. Mechanisches Verstellen der Optik ist in der Regel nicht nötig.
Was du brauchst
- Dein Gewehr mit montiertem Zielfernrohr (muss vorher bereits eingeschossen sein!)
- Das Vorsatzgerät mit passendem Adapter (Rusan-Klemm, Smartclip, oder HIKMICRO/Nocpix Original)
- Eine Wärmequelle als Ziel – z.B. ein Wärme-Pad, ein Handwärmer oder ein mit warmem Wasser gefüllter Plastikbeutel auf einer Zielscheibe
- Ein stabiler Schießbock oder Einspannvorrichtung – das Gewehr muss absolut ruhig liegen
- Entfernung: 50–100 m (empfohlen: 100 m für präzisere Justierung)
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Schritt 1: Adapter montieren
Befestige den passenden Adapter am Objektiv deines Zielfernrohrs. Achte darauf, dass der Adapter fest und spielfrei sitzt – jede Bewegung des Adapters verfälscht das Ergebnis. Viele Jäger verwenden Rusan-Klemmadapter, da diese werkzeuglos montiert werden können und einen sicheren Halt bieten.
Tipp: Markiere die Position des Adapters auf dem Zielfernrohr mit einem feinen Strich. So kannst du beim nächsten Mal kontrollieren, ob er an der gleichen Stelle sitzt.
Schritt 2: Vorsatzgerät aufsetzen
Setze das Vorsatzgerät auf den Adapter. Es sollte satt einrasten und sich nicht drehen lassen. Schalte das Gerät ein und überprüfe, ob du durch dein Zielfernrohr ein sauberes Wärmebild siehst.
Häufiger Fehler: Das Bild ist nicht zentriert oder hat einen schwarzen Rand. Das liegt meist an einem falschen Abstand zwischen Vorsatzgerät und Zielfernrohr-Objektiv. Prüfe den Adapter und gegebenenfalls den Abstandsring.
Schritt 3: Wärmequelle positionieren
Platziere die Wärmequelle auf 100 m Entfernung. Ideal ist eine Wärme-Pad vor einer hellen Fläche (z.B. weiße Pappe). So siehst du die Wärmequelle gleichzeitig im Wärmebild und beim Durchschauen ohne Vorsatzgerät.
Alternative bei HIKMICRO Thunder 3.0: Einige neuere Modelle bieten eine App-gestützte Einschießhilfe. Du verbindest das Gerät per WLAN mit deinem Smartphone und kannst die Justierung am größeren Display kontrollieren.
Schritt 4: Zielfernrohr auf die Wärmequelle ausrichten
Richte dein Gewehr – fest eingespannt – auf die Wärmequelle. Das Fadenkreuz deines Zielfernrohrs muss exakt auf der Wärmequelle liegen.
Schritt 5: Wärmebild justieren
Jetzt kommt der entscheidende Schritt: Schau durch das Zielfernrohr mit aufgesetztem Vorsatzgerät. Du siehst das Wärmebild der Quelle – und es wird sehr wahrscheinlich nicht dort liegen, wo dein Fadenkreuz steht.
Gehe in das Einschießmenü deines Vorsatzgeräts (meist „Zero" oder „Boresight" genannt) und verschiebe das Wärmebild digital, bis die Wärmequelle exakt unter dem Absehen liegt.
- Bei HIKMICRO Thunder: Menü → Nulleinstellung → Pfeiltasten verschieben das Bild
- Bei Nocpix MATE: Menü → Zero → Bild in X/Y-Achse verschieben
- Bei ThermTec Vorsatzgeräten: Ähnlicher Vorgang über das Gerätemenü
Schritt 6: Kontrollschuss
Nach der Justierung: Einen Schuss abgeben und prüfen, ob der Treffer dort sitzt, wo das Wärmebild-Absehen war. Bei Abweichung nachjustieren und erneut schießen.
Wichtig: Mindestens 2–3 Schuss zur Bestätigung. Ein einzelner Treffer reicht nicht aus, um die Einstellung als stabil zu bewerten.
Häufige Fehler beim Einschießen
- Adapter sitzt locker: Selbst minimales Spiel kann zu Abweichungen von 10+ cm auf 100 m führen
- Gewehr nicht fixiert: Freihändig einschießen funktioniert nicht. Nutze immer eine stabile Auflage
- Zu kurze Entfernung: Auf 25 m sieht alles gut aus – auf 150 m zeigen sich Fehler deutlich
- Wärmequelle zu groß: Eine zu große Quelle macht die Justierung ungenau. Ideal sind kompakte Wärmequellen (Handwärmer, Wärme-Pad)
- Nach dem Einschießen: Gerät abnehmen und anders wieder aufsetzen. Prüfe nach dem Wiederaufsetzen immer kurz die Justierung!
Muss ich nach jedem Abnehmen neu einschießen?
Das hängt vom Adapter ab. Hochwertige Klemmadapter (z.B. Rusan) erlauben ein wiederholbares Aufsetzen – die Justierung bleibt weitgehend erhalten. Trotzdem empfehlen wir, vor jeder Jagd kurz zu kontrollieren, ob das Bild noch sitzt.
Einige Jäger lassen den Adapter dauerhaft auf dem Zielfernrohr montiert. Das spart die Kontrolle und eliminiert eine Fehlerquelle.
Vorsatzgeräte ohne klassisches Einschießen
Ein häufig gesuchtes Thema: Wärmebild-Vorsatzgeräte ohne Einschießen. Tatsächlich gibt es mittlerweile Geräte, die das Einschießen stark vereinfachen – etwa durch voreingestellte Profile, App-Anbindung oder automatische Kalibrierung. Komplett ohne Justierung kommt aber kein Vorsatzgerät aus, da die Kombination aus Zielfernrohr, Adapter und Vorsatzgerät individuell ist.
Fazit
Das Einschießen eines Wärmebild-Vorsatzgeräts ist kein Hexenwerk – erfordert aber Sorgfalt und eine ruhige Hand. Nimm dir die Zeit, arbeite systematisch und spare nicht an der Stabilität der Auflage. Eine saubere Justierung ist die Grundlage für einen sicheren Schuss.
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