Rehwild ist die mit Abstand meistbejagde Wildart in Deutschland. Trotzdem fokussiert sich die Wärmebilddiskussion oft auf Schwarzwild und Nachtjagd. Dabei bietet Wärmebildtechnik beim Rehwild einen enormen Mehrwert – vom sicheren Ansprechen in der Dämmerung bis zur Kitzrettung vor der Mahd.
Warum Wärmebildtechnik beim Rehwild?
Rehwild ist dämmerungs- und nachtaktiv. Die besten Jagdzeiten liegen oft in den Übergangszeiten – genau dann, wenn optische Hilfsmittel an ihre Grenzen stoßen. Eine Wärmebildkamera hilft in mehreren Situationen:
- Dämmerungsansitz: Rehwild in der Abenddämmerung sicher ansprechen, wenn das bloße Auge bereits an seine Grenzen stößt
- Schmalrehe erkennen: Die Unterscheidung zwischen Schmalreh und einjährigem Bock ist in der Dämmerung schwierig. Das Wärmebild zeigt Körperkonturen deutlich
- Kitzführende Ricke: Führt die Ricke ein Kitz? Im Wärmebild siehst du auch das im hohen Gras liegende Kitz, das optisch unsichtbar wäre
- Bestandsübersicht: Wie viel Rehwild steht am Waldrand? Die Wärmebildkamera zeigt alle Stücke – auch die im Gebüsch
Ansitz auf Rehwild mit der Wärmebildkamera
Der klassische Einsatz: Du sitzt auf dem Hochsitz und scannst mit der Wärmebildkamera die Fläche vor dir. Rehwild fällt als heller Wärmepunkt auf – auch wenn es im hohen Gras oder am Waldrand steht.
Welche Geräte eignen sich?
Für den Ansitz auf Rehwild empfehlen sich Handkameras oder Wärmebildferngläser. Das Vorsatzgerät ist hier weniger relevant, da der Schuss auf Rehwild in der Regel bei Tageslicht oder in der erlaubten Dämmerung fällt – nicht bei Nacht.
Handkameras für den Rehwild-Ansitz:
- Nocpix LUMI L35 – kompakt, gute Bildqualität, schnell griffbereit
- Nocpix LUMI H35R mit LRF – zusätzlich Entfernungsmessung
- HIKMICRO Falcon FQ35 2.0 – 640er Sensor, scharfes Bild
Wärmebildferngläser:
- Nocpix QUEST H35R – bequem wie ein Fernglas, mit LRF
- HIKMICRO Habrok 4K HQ35L – Spitzentechnik im Fernglas-Format
Warum 35 mm? Beim Rehwild jagst du selten auf mehr als 200 m. Ein 35 mm Objektiv bietet das richtige Verhältnis aus Reichweite und Sichtfeld. Detaillierter Vergleich der Objektivgrößen in unserem Artikel Vergleich der Wärmebildbinokulare.
Blattjagd mit Wärmebildtechnik
Bei der Blattjagd im Juli/August kann eine Wärmebildkamera Gold wert sein. Du sitzt im Deckung und blattest – und siehst im Wärmebild sofort, ob und von wo ein Bock anwechselt. Oft erkennst du den anziehenden Bock im Wärmebild, bevor du ihn optisch wahrnimmst.
Tipp: Halte die Kamera griffbereit, aber nicht permanent vor den Augen. Scanne regelmäßig in kurzen Intervallen – so sparst du Akku und behältst gleichzeitig den natürlichen Höreindruck.
Kitzrettung vor der Mahd
Eines der wichtigsten Einsatzgebiete für Wärmebildtechnik beim Rehwild: Die Kitzrettung. Im Mai und Juni ducken sich Rehkitze bei Gefahr ins hohe Gras und sind für Mähwerke unsichtbar. Mit einer Wärmebildkamera kannst du Grünlandflächen vor der Mahd systematisch absuchen.
- Beste Zeit: Frühmorgens, wenn der Temperaturunterschied zwischen Kitz und Umgebung am größten ist
- Systematisch abgehen: Die Fläche in Bahnen abgehen und mit der Kamera scannen
- Drohne + Wärmebild: Die effektivste Methode – allerdings sind Drohnen mit Wärmebild kostspielig. Die Handkamera ist die zugängliche Alternative
Für die Kitzrettung reichen kompakte Modelle wie die Nocpix LUMI P13 oder Nocpix LUMI L19 bereits aus – hier zählt das schnelle Erkennen auf kurze Distanzen (10–50 m).
Nachsuche auf beschossenes Rehwild
Auch bei der Nachsuche nach einem nicht sofort verendeten Stück Rehwild leistet die Wärmebildkamera wertvolle Dienste. Ein verletztes oder verendetes Reh gibt im Wärmebild deutlich mehr Wärme ab als die Umgebung – selbst wenn es im Gebüsch liegt.
Mehr dazu in unserem Artikel Wärmebildkamera auf der Nachsuche.
Rechtlicher Hinweis: Wärmebildvorsatzgeräte auf Rehwild nicht erlaubt
Wichtig: Der Einsatz von Wärmebildvorsatzgeräten und Nachtzielgeräten ist bei der Rehwildjagd in Deutschland nicht erlaubt. Die landesrechtlichen Ausnahmen vom Verbot des § 19 Abs. 1 Nr. 5a BJagdG beschränken sich auf Schwarzwild und – je nach Bundesland – auf Raubwild oder invasive Arten. Rehwild fällt in keinem Bundesland unter diese Ausnahmen.
Wärmebildkameras als Beobachtungsgeräte (Handgeräte, Ferngläser) sind dagegen uneingeschränkt erlaubt und dürfen auch bei der Rehwildjagd eingesetzt werden – zum Ansprechen, zur Nachsuche und zur Revierbeobachtung.
Fazit
Wärmebildtechnik ist nicht nur für Schwarzwild und Nachtjagd relevant. Beim Rehwild – der häufigsten Jagd in Deutschland – bringt sie echten Mehrwert: sichereres Ansprechen in der Dämmerung, Kitzrettung und effektivere Nachsuche. Eine kompakte Handkamera oder ein Wärmebildfernglas mit 35 mm Objektiv reicht für die meisten Rehwild-Situationen vollkommen aus.
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